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Der digitale Euro: Entscheidende Zeiten stehen bevor

Autor
Senior Consultant alseda Consulting

Karl Stetter

Senior Consultant at alseda Consulting

Der digitale Euro ist eines der zentralen Zukunftsprojekte im europäischen Zahlungsverkehr. Als geplante digitale Zentralbankwährung (Central Bank Digital Currency, CBDC) der Europäischen Zentralbank (EZB) soll er das europäische Zahlungssystem langfristig stärken, die monetäre Souveränität Europas sichern und eine sichere, effiziente sowie datenschutzorientierte Ergänzung zu bestehenden digitalen Zahlungsmethoden schaffen. 

Für Banken, Zahlungsdienstleister und Unternehmen im Finanzsektor bedeutet der digitale Euro weit mehr als eine technologische Innovation. Er steht für strukturelle Veränderungen in Zahlungsinfrastrukturen, regulatorischen Anforderungen und digitalen Geschäftsmodellen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs und der wachsenden Bedeutung globaler Zahlungsanbieter gewinnt die Frage nach einer europäischen Alternative zunehmend an strategischer Relevanz. 

Gleichzeitig stehen Finanzinstitute und Unternehmen vor der Herausforderung, regulatorische Entwicklungen, technische Anforderungen und operative Auswirkungen frühzeitig zu bewerten. Als Experten im Zahlungsverkehr unterstützt alseda Consulting Organisationen dabei, Veränderungen im Marktumfeld einzuordnen und daraus nachhaltige Strategien für ihre Zahlungs- und Systemlandschaften abzuleiten. 

Aktueller Stand der Entwicklung 

Die EZB hat die Untersuchungsphase (2021–2023) abgeschlossen und ist am 1. November 2023 in die Vorbereitungsphase übergegangen. Nach Angaben der EZB lief diese Phase bis Oktober 2025 und konzentrierte sich auf die Finalisierung zentraler Bausteine sowie die Unterstützung des legislativen Prozesses. 

In diesem Zeitraum arbeitete die EZB unter anderem an: 

  • einem Regelwerk für den digitalen Euro (einschließlich Nutzererlebnis, Markenrichtlinien und Streitbeilegungsverfahren), 
  • der Auswahl technischer Anbieter für Plattformkomponenten und Schnittstellen, 
  • einer Innovationsplattform mit rund 70 Marktteilnehmern zur Erprobung von Anwendungsfällen wie bedingten Zahlungen sowie zur Unterstützung von Designentscheidungen, 
  • laufender Nutzerforschung und dem Austausch mit Stakeholdern zur Validierung von Anforderungen und Akzeptanzfaktoren. 

 

Die nächste Phase umfasst die technische Implementierung und Pilotierung, während die gesetzgeberische Arbeit parallel fortgeführt wird. Die Arbeitshypothese der EZB sieht vor, dass bei einer Verabschiedung der Regulierung durch die EU-Gesetzgeber im Jahr 2026 erste Pilotprojekte beziehungsweise Transaktionen bereits ab Mitte 2027 starten könnten, mit einer möglichen ersten Ausgabe ab etwa 2029. 

 

Politischer Rahmen 

Am 19. Dezember 2025 einigte sich der EU-Rat auf seine Verhandlungsposition. Unterstützt wird ein Modell mit Online- und Offline-Funktionalität sowie Halteobergrenzen, um die Finanzstabilität zu gewährleisten. Der Vorschlag durchläuft nun das weitere EU-Gesetzgebungsverfahren im Europäischen Parlament und im Rat. 

 

Warum ein digitaler Euro? 

Mit der zunehmenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs und der wachsenden Dominanz globaler Anbieter wie Visa, Mastercard und großer Technologieplattformen ist die Abhängigkeit Europas von nicht-europäischen Akteuren gestiegen. Der digitale Euro soll diese Abhängigkeit reduzieren und zugleich zentrale Eigenschaften von Bargeld – insbesondere Sicherheit und Privatsphäre – in die digitale Welt übertragen. Er ist nicht als Ersatz für Bargeld gedacht, sondern als zusätzliche Zahlungsoption für alle Bürgerinnen und Bürger. 

 

Chancen und Risiken 

Der digitale Euro bietet potenziell erhebliche Vorteile: Als von der EZB gedeckte Währung schafft er Vertrauen und Stabilität, kann finanzielle Inklusion fördern, indem digitale Zahlungen über traditionelle Bankstrukturen hinaus ermöglicht werden, und Zahlungen insbesondere innerhalb der EU schneller und kostengünstiger machen. Gleichzeitig verfolgt die EZB das Ziel eines hohen Datenschutzstandards sowie der Offline-Nutzbarkeit und stärkt damit Europas Autonomie in einem Markt, der derzeit stark von globalen Kartennetzwerken und Big-Tech-Unternehmen geprägt ist. 

Gleichzeitig bestehen weiterhin zentrale Herausforderungen – insbesondere der Ausgleich zwischen Datenschutz und Sicherheit, mögliche Auswirkungen auf Bankeinlagen und Kreditvergabe sowie technische Komplexität, die digitale Kluft und hohe Implementierungskosten. 

 

Fazit 

Der digitale Euro hat das Potenzial, die europäische Finanzarchitektur nachhaltig zu verändern – gleichzeitig bleibt sein Weg zur breiten Einführung mit Unsicherheiten verbunden. Während er Verbesserungen bei Sicherheit, Datenschutz und strategischer Autonomie verspricht, wirft er zugleich komplexe Fragen hinsichtlich technischer Umsetzung, Datenverarbeitung und möglicher Auswirkungen auf das Bankensystem auf. 

Die Europäische Zentralbank verfolgt bei der Einführung des digitalen Euro einen vorsichtigen und schrittweisen Ansatz, um Risiken zu minimieren und Vertrauen bei Marktteilnehmern und Nutzern aufzubauen. Wenn die Entwicklung planmäßig verläuft, könnte der digitale Euro ab 2029 Realität werden und den europäischen Zahlungsverkehr nachhaltig prägen. 

Der Markt für digitale und virtuelle Zahlungsmethoden entwickelt sich weiterhin dynamisch. Als Zahlungsexperten unterstützt alseda Consulting Kunden und Partner dabei, regulatorische und technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten. Durch die kontinuierliche Beobachtung von Marktveränderungen und Branchenprozessen schaffen wir gemeinsam die Grundlage für zukunftssichere Strategien, mit denen sich Portfolios nachhaltig weiterentwickeln und auf dem aktuellen Stand halten lassen. 

Um über Entwicklungen im digitalen Zahlungsverkehr und deren Auswirkungen auf Unternehmens- und Bankprozesse informiert zu bleiben, folgen Sie unserem Blog für weitere Einblicke und Updates. 

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns gerne unter  infomail(at)alseda.com. 

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